Wenn die Wahrheit verschoben wird – systemische Antworten auf versteckte Grenzverletzungen

28.08.2025

Es gibt Momente im Leben, in denen Entscheidungen nicht von uns selbst getroffen werden – sondern über uns hinweg. Manchmal geschieht das leise, fast unscheinbar, in Zeiten, in denen man schwach, krank oder schlicht nicht in der Lage ist, selbst präsent zu sein.

Doch gerade solche Situationen hinterlassen Spuren. Denn in Familiensystemen gilt:
Alles, was verborgen oder ungefragt entschieden wird, wirkt nach – besonders auf Kinder.

Wenn Entscheidungen an uns vorbei getroffen werden

Ich kenne das Gefühl, dass etwas mit mir oder meinen Kindern geschieht, ohne dass ich zugestimmt habe. Kleine oder größere Dinge – aber jedes Mal bleibt der Nachklang: "Hier wurde etwas gemacht, das nicht stimmig ist. Und ich kann es nicht ungeschehen machen."

Aus systemischer Sicht bringt das eine Ordnung durcheinander: Kinder geraten in Loyalitätskonflikte, in Spannungen zwischen Zugehörigkeit und Wahrheit.

Spuren im Inneren

Das Kind spürt unterschwellig: "Ich darf hier nicht beide Eltern gleich lieben."
Ein Riss entsteht – oft unsichtbar, aber wirksam. Später kann er sich zeigen in Unsicherheit, Schuldgefühlen oder Schwierigkeiten mit Nähe.

Was heilt?

Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, Schuldige zu suchen. Sondern Worte zu finden:

  • Benennen: "Damals ist etwas passiert, das nicht in Ordnung war. Aber heute bin ich da und passe auf dich auf."

  • Zurückholen: Innerlich wahrnehmen, was einem genommen wurde – und es symbolisch wieder an sich nehmen.

  • Zurückgeben: Das, was nicht zu uns gehört, bewusst dorthin lassen, wo es entstanden ist.

  • Verwurzeln: Kinder immer wieder spüren lassen: "Du gehörst zu uns. Du bist sicher."

Muster unterbrechen

Solche Erlebnisse wiederholen sich oft über Generationen. Wer gelernt hat, dass über ihn entschieden wurde, neigt dazu, dieses Muster unbewusst weiterzugeben. Aber es lässt sich durchbrechen – durch Wahrhaftigkeit, Klarheit und innere Haltung.

Mein Fazit

Systemische Verantwortung bedeutet für mich nicht zu fragen: "Wer hat Schuld?"
Sondern: "Was darf ich zurückholen, damit meine Kinder frei und ganz werden können?"

Und manchmal beginnt es mit einem einzigen Satz:
"Ich nehme dich zurück – vollständig, frei und in Wahrheit."

👉 Dieser Beitrag ist Teil der Wegmarke: Meta & Rückschau – zum Weiterlesen hier → Das Familiensystem, das sich gegen mich stellte, als ich unbequem wurde